• Margret Resch

Wir und die anderen

Wir

hören zu,

wie im Radio

über Unfassbares berichtet wird

und drehen dann kopfschüttelnd ab.

Wir wenden uns leichteren Themen zu,

als wären das alles nicht

wir.


Wir

sehen zu,

wie mutige Frauen

von der Bildfläche verschwinden,

wie Familien auseinander gerissen werden,

wie die Angst die Macht übernimmt,

als wären das alles nicht

wir.


Wir

lassen zu,

dass wieder einmal

Menschen ihre Heimat verlieren,

ihr Leben und ihre Hoffnung.

Wir lassen den Dingen ihren Lauf,

als wären das alles nicht

wir.


Wir

geben zu,

dass wir nicht

ganz unbeteiligt daran sind,

dass geschieht, was gerade geschieht.

Wir, der Westen. Wir machen weiter,

als wären das alles nicht

wir.


Wir

machen zu,

weil es schmerzt,

weil es bequemer ist,

weil es nicht auszuhalten ist.

Wir machen Türen und Herzen zu,

als wären das alles nicht

wir.


Wir

können uns

aber auch aufmachen,

zum Beispiel genau jetzt.

Wir können sagen, schreiben, fühlen:

Das alles geht uns etwas an.

Wir können so damit umgehen,

als wären das alles

wir.




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